#640 Gelesen: Das Führungsteam

Olaf Hinz Buch ist ein Plädoyer Führung als Mannschaftsleistung zu praktizieren und will den Weg dahin aufzeigen.

Vielleicht ist dieser Anspruch etwas vermessen und ich bezweifle, dass im Kreis der Alpha-Tiere das Buch die entsprechende Resonanz bekommt, aber es bleibt immer noch ein kluges Buch über Teamentwicklung.

Den Weg zu wirksamen (Führungs-)Teams beschreibt er in sechs Schritten:

  • Führung und operatives Management bewusst unterscheiden und voneinander trennen
  • Nutzung der Gruppe (heterogene Teams bieten Vorteile)
  • Bewusste Auseinandersetzung mit Unterschieden und Widersprüchen
  • Macht und Einfluss ausbalancieren (hier wird auch explizit der Umgang mit Alpha-Tieren thematisiert)
  • Wirksame Informationspolitik statt Heldentum betreiben
  • Das Team pflegen, z.B. mit “Team-Rüstzeiten”

Team-Rüstzeiten ist ein schönes Konzept, das sich abhebt von Teamevents und Incentives, und einem Team kontextspezifisch Entwicklungsraum einräumt. Wie man eine Maschine einrichten, kalibrieren und für ihren Einsatz vorbereiten muss, so braucht auch ein Team Platz für die Teamfindung und die Vorbereitung der eigentlichen Aufgabe.

Diese sechs Schritte sind letztlich das Fazit des Buches und basieren auf einem soliden Fundament, dass sich mit Kontextführung, Komplexität, Unsicherheit, Rollen und Erwartungen und vielem mehr auseinandersetzt, ebenso wie mit typischen Aufgaben wie Planung (Flyvbjerg) und Budgetierung (Pfläging). Als Fundament dienen Konzepte wie u.a. Reflexion und das Double-Loop Learning (Argyris und Schön), Mindfulness (Weick und Sutcliffe) und Lernangst (Schein).

Als Werkzeuge werden kollegiale Beratung, Kommunikationswerkzeuge aber auch Fragebögen (teilweise im Buch enthalten, teilweise wird darauf referenziert –  wie auf den guten alten MBTI)  angeführt.

Das letzte Kapitel von Dani Rey beschreibt dann noch das Konzept für einen Jahresendworkshop der Geschäftsleitung und fügt sich nicht ganz in das Bild.

Ein Lapsus bei zwei großen Tabellen ist entweder Amazon oder dem Verlag geschuldet, aber im eBook auf dem Kindle sind die Übersicht der Diagnosewerkzeuge und die Tabelle der Kommunikationsformate nicht vollständig dargestellt (auf dem PC hingegen schon).

Aber all das tut der Tatsache keinen Abbruch, dass das Buch eine klare Leseempfehlung ist.

Olaf Hinz,  Das Führungsteam: Wie wirksame Kooperation an der Spitze gelingt, Wiesbaden 2014, ISBN-13: 978-3-658-03890-8

#639 Gelesen: Das Neue Spiel

Michael Seemann, Das neue Spiel: Strategien für die Welt nach dem digitalen Kontrollverlust, Berlin, Freiburg 2014, ISBN 978-3936086799

Michael Seemann bloggt nicht nur über den Kontrollverlust unserer Daten, den wir längst erlitten haben, er hat seine Gedanken auch in einem lesenswerten Buch zusammengefasst. Vielleicht geht der Autor in dem einen oder anderem Punkt zu weit (braucht es wirklich eine eigene, neue digitale Lizenz für das Buch, wird die Query-Metapher nicht etwas überstrapaziert,…), aber gemessen an der medientheoritisch fundierten Auseinandersetzung mit dem Thema, sind das belanglose Details.

Zunächst belegt Seemann den Kontrollverlust:

„Wir haben die Kontrolle über die Daten […] auf dreifache Weise verloren: Wir wissen nicht mehr, welche Daten zu welcher Zeit erhoben werden können, weil die ganze Welt durch die allgegenwärtige Verbreitung von Sensoren digitalisiert wird. Wir bestimmen nicht selbst, was mit diesen Daten geschieht, wo sie gespeichert werden, wo sie hinkopiert werden, wer darauf Zugriff hat. Und wir können nicht ermessen, welche Dinge diese Daten potenziell aussagen. Kurz: Daten, von denen wir nicht wussten, dass es sie gibt, finden Wege, die nicht vorgesehen waren, und offenbaren Dinge, auf die wir nie gekommen wären.“

Im zweiten Teil versucht er Strategien zu entwickeln mit denen wir uns dem faktisch bereits eingetretenen Kontrollverlust stellen können, denn ein Lamentieren nützt uns nichts und auch das Hoffen auf den Staat oder andere Institutionen ist so naiv wie hoffnungslos in unserer globalisierten digitalen Welt.

Als Strategien für den Umgang mit dem Kontrollverlust stellt er 10 Regeln auf:

  • Es gilt das Neue – Wir müssen Lernen, das Alte zu Verlernen und die neuen Spielregeln annehmen.
  • Du kannst das Spiel nicht gegen den Kontrollverlust spielen – Eine Kontrolle von Datenströmen ist faktisch längst nicht mehr möglich, also dürfen wir uns auch nicht dieser Illusion hingeben.
  • Die Überwachung ist Teil des Spiels – Überwachung wird noch mehr zunehmen. Wir können das nicht verhindern, sondern lediglich versuchen, die Wirkung von Überwachung zu schwächen.
  • Wissen ist, die richtige Frage zu stellen – Die Wissensspeicherung verliert an Bedeutung, der Abruf von Wissen wird hingegen zur neuen Königsdisziplin.
  • Organisation und Streit für alle! – Die “positive” Seite des Kontrollverlustes ist es, dass Transparenz und Vernetzung für alle offen stehen.
  • Du bist die Freiheit des Anderen – Die gesellschaftlichen Kommunikationsstrukturen haben sich geändert – hin zu einer End-to-End-Beziehung der einzelnen Teilnehmer. Die Daten gehören schließlich beiden Enden der Kommunikation.
  • Macht hat, wer die Plattform kontrolliert – Plattformen sind neue, machtvolle Akteure.
  • Staaten sind Teil des Problems, nicht der Lösung – Denn auch die Staaten sind “Opfer” des Kontrollverlustes, haben z.B. beim Datenschutz längst den Bankrott erreicht.
  • Datenkontrolle schafft Herrschaft – Etwas paradox, denn Datenkontrolle ist ja faktisch nicht wirklich möglich, aber dort, wo man es versucht steigt die Macht der Plattformen. “Datenkontrolle zwingt zur zentralisierten Kontrolle und schwächt somit die Zivilgesellschaft.“
  • Der Endgegner sind wir selbst – Noch bevor die Geheimdienste etwas über uns herausgefunden haben, haben wir es längst selbst (oder jemand anderes für uns) auf Facebook & Co eingestellt oder es mit einer Videoüberwachung gefilmt. Wir müssen uns unserer Verantwortung annehmen.

Michael Seemann ist kein wirrer Verschwörungstheoretiker, er ist auch kein Snowden/NSA-Trittbrettfahrer. Er hat lediglich versucht ein intelligentes Fazit aus dem Thema seines Blogs und seiner Auseinandersetzung mit dem Thema Kontrollverlust zu ziehen. Natürlich kann man über Details streiten, aber eins macht die Lektüre allemal klar: Wir müssen uns dem Thema stellen, denn dieser gesellschaftliche Veränderungsprozess ist bereits weiter fortgeschritten als wir uns vorstellen können und es gibt kein zurück. Wir müssen lernen, uns in diesem veränderten Umfeld einer digitalen Welt zu bewegen und uns den neuen Herausforderungen widmen. In diesem Sinne: Eine klare Leseempfehlung!

#638 Wortwolke 2014

Noch ein kleiner Nachtrag zum letzten Post: Eine Wortwolke aus allen Beiträgen auf schlossBlog im Jahr 2014. (Kreiert mit wordle.net)

#637 Best of schlossBlog 2014

Sylvester/Neujahr ist eine willkommene Zeit um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Auch auf schlossBlog hat sich einiges getan. Hier eine subjektive Auswahl:

Es hat sich also einiges getan! Das Erreichte ist gleichzeitig Ansporn für 2015. Mal schauen, was das Jahr so alles bringt.

Und allen Lesern an dieser Stelle: Die besten Wünsche für das neue Jahr!

#636 Visual Thinking

Das Thema Visual Thinking beschäftigt mich schon eine ganze Weile und wird uns auch hier im Blog in nächster Zeit noch weiter verfolgen.

 
Zufällig bin ich jüngst auf ein YouTube-Video des Instituts für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen mit dem Berater und Autor (u.a. Gamestorming) Dave Gray gestolpert, das in 15 Minuten eine Einführung in Visual Thinking im Management Kontext gibt.

Achtung, das Video ist in Englisch.

Frohe Weihnachten!

Auch bei Projektmanagern ist Weihnachten die Zeit für Familienprojekte und so wurde auch im Hause Schloß dieses Jahr das Christbaum-Schlagen ein Familien-Projekt mit Jonas an der Kettensäge…

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern, Mitstreitern und Kollegen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!

#635 Zukunft des Projektmanagements

Haben wir nicht jüngst mit einer Blogparade, auf dem PM Camp in Dornbirn und auf openPM zugegebenermaßen rhetorisch (aber selbstkritisch) nach dem Beyond Project Management gefragt?

Ganz anders die aktuelle Ausgabe von projektManagement aktuell, eine Jubiläumsausgabe, die sich selbst feiert (Ehrlicher Glückwunsch zum 25. Geburtstag!) und einen Blick in die Zukunft de Projektmanagements zelebriert mit Beiträgen wie “Future Trends in Project Management”, “‘Drahtseilakt’ für Projektmanager” oder “Das Projekt als ‘Nukleus’ der Strategiearbeit”.

Die Future Trends entstammen übrigens einer Befragung von “26 internationalen Akademikern und 22 Praktikern”, sie mögen völlig zutreffend sein, aber bei dieser Grundgesamtheit verkleidet mit einem wissenschaftlichen Anstrich, sollte man die Kirche vielleicht im Dorf lassen oder den Beitrag eher als Thesen, denn als handfeste Ergebnisse deklarieren. Geburtstagsfeiern sind ja schön und gut, aber selbstgefälliges Schulterklopfen muss nicht sein.

Als Future Trends werden in der Studie von Hans Georg Gemünden und Yvonne-Gabriele Schoper übrigens genannt:

  1. “Projektifizierung” der Gesellschaft
  2. Wachsende Bewältigung von Komplexität
  3. Transantionalisierung der Projekte
  4. Virtualisierung
  5. Professionalisierung des Projektmanagements
  6. Lernen & Qualifizierung im Projektmanagement
  7. Projekte als Vehikel um Unternehmensziele zu erreichen
  8. Verbessertes Stakeholdermanagement
  9. Projektmanagement erobert die Vorstandsetagen
  10. Projektorientierte Organisation
  11. Ein zunehmender Anteil von Frauen im Projektmanagement
  12. Projektmanagementforschung wird intensiviert

Die einzelnen Trends sind natürlich nicht unabhängig voneinander (z.B. Professionalisierung und Lernen & Qualifizierung) und vielleicht auch dem Kreis der Befragten geschuldet (Forscher wollen intensiviert forschen). Die Projektifizierung (oder sollte ich sagen: “Projektitis”), der Stellenwert von Projektmanagement in den Vorstandsetagen und der Umbau von Organsiationen in Projektorientierte Organisationen vermitteln mir auch den Eindruck von Wumschdenken. So würden wir uns gerne sehen und diese Wertschätzung würden wir gerne widerfahren. Ich glaube gar nicht mal, dass die Anzahl “echter” Projekte wirklich zugenommen hat, aber an immer mehr Aufgaben wird einfach missbräuchlich das Etikett “Projekt” geklebt. Projekte werden (auch auf Vorstandsetagen) instrumentalisiert (z.B. in der Budgetplanung oder im Change Management) ohne Gegenstand und Vorgehensweise zu reflektieren, da wird dann mitunter sinnfrei eine Projektlogik übergestülpt. Ich fürchte, dass diese missbräuchliche Inflation nicht zwingend zu einer Professionalisierung beitragen, sondern möglicherweise vermehrt zu Akzeptanzproblemen führen wird. Aber lassen wir uns überraschen. Schau´mer mal, dann sehgn ma scho, wie der Bayer sagt.

#634 Datenschutz abschaffen!

Natürlich nur eine Polemik! Wie könnte man sonst so etwas fordern? Sind personenbezogene oder besondere personenbezogene Daten nicht besonders schützenswert? Anscheinend nicht, denn die behördlichen Datenschützer sind längst übergelaufen und haben eine Bankrotterklärung abgegeben. Im Web grassiert gerade eine sarkastische Suchmeldung nach der Bundesdatenschutzbeauftragten, die nach ihrem Amtsantritt vermeintlich nicht mehr gesehen wurde.

Eine weitere Bankrotterklärung habe ich gerade bekommen auf eine Anfrage bzgl. des Umgangs mit meinen Gesundheitsdaten durch meine Krankenkasse. Und unsere Behördenvertreter haben sich längst mit der Versicherungswirtschaft arrangiert und nahezu einen Freibrief für die Interessen der Versicherungen ausgestellt. Im konkreten Fall hatte die Krankenkasse bei einer Tarifumstellung gezielt eingereichte Abrechnungsunterlagen ausgewertet und daraus Risikozuschläge abgeleitet. Meine Argumentation im Sinne des Bundesdatenschutzgesetzes war, dass die Abrechnungsunterlagen der Krankenkasse zweckgebunden (zur Abrechnung) überlassen waren und deswegen nicht für andere Zwecke (vertragliche) ausgewertet werden dürfen. Doch dieses Verständnis spiegelt nicht die Meinung unserer obersten Datenschützer:

Die Vorgehensweise ist im Ergebnis zulässig und die eingereichten Abrechnungsunterlagen sind letztlich nicht zweckgebunden. Sie dürfen von der Versicherung im Rahmen einer möglichen Vertragsumstellung zur Risikobeurteilung herangezogen werden.

Die perfide Argumentation geht sogar weiter, die von Behörde und Versicherungswirtschaft  abgestimmten Einwilligungs- und Schweigepflichtentbindungserklärungen sehen ausdrücklich die Erhebung, Speicherung und Nutzung der Gesundheitsdaten vor soweit dies zur Antragsprüfung sowie zur Begründung, Durchführung, oder Beendigung des Versicherungsvertrages erforderlich ist. Nachdem alle solche Klauseln haben, sind wir dieser staatlich unterstützten Willkür ausgeliefert.

Wie qualifiziert dies geschieht zeigt das konkrete Beispiel: Wenn aus der Diagnose auf einem Rezept Rückschlüsse gezogen werden, dann werden schnell flüchtige, längst auskurierte Erkrankungen gleich zu systemischen Risiken, die mit unverhältnismäßigen Aufschlägen sanktioniert werden.

Solche Regelungen brauchen wir genauso wenig, wie solche Datenschützer.

Daher: Datenschutz abschaffen! Dann wissen wir wenigstens woran wir sind.

#633 schlossBlock auf dem PM Camp Poster

#632 Die Mutter aller PMCamps – PMCampDOR

Zurück von der Mutter aller PM-Camps – vom PMCampDOR14 in Dornbirn.

Es war spannend, inspirierend, kreativ, voller Diskussionslust und vieler Impulse. Also halt so, wie immer!

Nachzulesen auf Twitter oder demnächst in der Sessiondoku, die jetzt langsam im Nachgang der Veranstaltung auf openPM entsteht. PM-Camps sind immer ein großes Klassentreffer und so ist mir z.B. diesmal @marcusschwemer wieder über den Weg gelaufen, den ich das letzte mal im Studium getroffen habe. Neue Gesichter gab es insbesondere aus der Region und es ist zu “befürchten”, dass die auch wieder kommen, denn die Resonanz von Roman, Alois, Rolands Schweizer Fraktion und vielen anderen war (wieder einmal) überwältigend. Aber natürlich auch ein Wiedersehen mit alten PMCamp-Veteranen:

 


Einen gewissen Sucht-Faktor kann man den PM-Camps einfach nicht abstreiten.

Meine Higlights diesmal waren die Keynotes (Danke an Gebhard Borck und Melanie Kaiser), deren Beiträge schon in der Sessiondoku verfügbar sind. Auch wenn Gebhard sich ein Spielchen gemacht hat und im Auditorium gefragt hat, ob er mit Folien, an der Tafel oder völlig frei referieren soll (die Entscheidung fiel für die Tafel, d.h. seine Folien wurden eigentlich nicht gezeigt), außerdem hat er sich noch ein bisschen Improvisationstheater eingebaut und alle Zuhörer für das Feedback mit roten Clownsnasen ausgestattet. Ein persönliches Erfolgserlebnis war auch, dass ich langsam dann doch einmal die Barcamp-Prinzipien verinnerlicht habe und mich langsam zu einer “Hummel” entwickelt habe. (Ein “Schmetterling” ist einfach nicht die richtige Metapher für mich.)

Von den Sessions möchte ich keine wirklich hervorheben, nicht weil es an Qualität gemangelt hätte, sondern weil es wieder die gewohnte Dichte intensiver Impulse gab. Die Gespräche, nicht nur in den Sessions, sondern auch am Rand sind einfach das Besondere am Camp. Ein weiteres Highlight ist immer schon der Check-In am Vorabend, der immer wieder mit großem Hallo beim Bier endet, ganz zu Schweigen von der Party am Freitag mit einem herausragenden Host Stefan Hagen, von der ich mich erkältungsbedingt allerdings etwas frühzeitig verabschiedet habe (für das Whisky-Tasting hat es aber doch noch gereicht).

Persönliches Fazit: Ich komme wieder!