#649 Gelesen: Projektsaboteur

Dion Kotteman, Jeroen Gietema: Das kleine Handbuch für den Projektsaboteur, 1. Auflage, Weinheim 2010, ISBN 978-3527505258 mittlerweile in der zweiten Auflage ISBN 978-3527507726 erschienen 2014

Beim Abarbeiten des Bücherstapels neben meinem Bett kam jetzt endlich auch das Handbuch für Projektsaboteure zum Zug. Ehrlich gesagt war ich von der Lektüre enttäuscht, denn die zunächst witzige Idee, sich nicht mit dem Erfolg von Projekten, sondern mit deren vorsätzlichen Scheitern zu beschäftigen, trägt nicht ein ganzes Buch. Eine Kolumne, ein Blogpost oder ein Artikel bitte gerne. aber nicht ein ganzes Buch!

Ich vermisse Stichworte wie Hidden Agenda oder Principal-Agent, aber zur Fundierung muss mal wieder der gute alte Maslow herhalten, dessen Bedürfnis-Pyramide, so gerne sie zitiert wird,   leider den Stand der Psychologie der 60er und 70er Jahren entspricht. Weil sie so schön eingängig ist wird sie weiterhin allerorten als Beleg angeführt. Bitte dies nicht als Kritik an Maslow missverstehen, die Bedürfnispyramide war in der Motivationspsychologie ein Meilenstein, aber rund 30 Jahre später sie unreflektiert als zentrale Argumentationsbasis anzuführen, spricht nicht für die Autoren.

An und für sich liest sich das Büchlein ganz nett, aber aufgrund seiner Schwächen, ist es für mich keine Leseempfehlung.

#648 Jedes Problem beginnt mit einer Excel-Liste

Mein geschätzter Kollege Till sagt immer:”Jedes Problem beginnt mit einer Excel-Liste, dann wird eine Datenbank daraus und schließlich eine Applikation.”

Die Zwischenstadien “Schmierzettel” und Sharepoint-Liste überspringt er gleich.

Vielleicht aus gutem Grund. Aktuell strapaziere ich Sharepoint, mit einem Access-Frontend, dass mehrere Sharepointlisten zusammenführt.

Und man glaubt gar nicht, wie schnell man an die Grenzen von Sharepoint stößt. Auch wenn eine SQL-Datenbank darunter liegt, so sind doch insbesondere dem Web-Frontend einige Einschränkungen geschuldet: So sollten es beispielsweise nicht mehr als 5000 Datensätze in einer Tabelle sein, mehrwertige Felder sind ganz BÖSE und Bulk-Jobs, also Massenbearbeitung, z.B. durch eine Aktualisierungsabfrage aus Access sollte nicht mehr als 100 Datensätze umfassen.

Auf diese und eine Reihe weiterer Eischränkungen verweist selbst Micsrosoft im Technet.

Warum wir trotzdem Sharepoint nutzen? Als Provisorium und zur Vorbereitung der späteren Applikation. Till hat doch Recht…

#647 NextPM-Forum

Und dann ist da noch das PM-Forum der GPM (27.-28. Oktober in Nürnberg) und auch da läuft gerade der Call for Papers. Deadline ist der 15. April.

#646 Der InterPM-Nachfolger

Auch wenn ich selbst nie auf der InterPM war, so hatte ich sie doch auf meinem Radar. Wie ich jetzt von Alexander Volland, meinem geschätzten und in der Fachgruppe Projektmanagment der Gesellschaft für Informatik engagierten Kollegen gelernt habe, gibt es die InterPM nicht mehr.

Stattdessen gibt es seit 2014 den etwas sperrigen Titel “Konferenz Projektmanagement und Vorgehensmodelle”  und die 2015er Konferenz folgt der 2014er und ist der “legitime” Nachfolger der InterPM. (Hier der Link zur Veranstaltungsseite und zur openPM-Seite zur Konferenz)

Aktuell läuft der Call for Papers. Die Veranstaltung selbst findet im September in Hamburg/Elmshorn statt.

 

#645 Jetzt auch noch Kochbücher

Dieser Blog hat ja schon vieles erlebt, aber jetzt muss der Kerl auch noch über Kochbücher schreiben! Dass Projektmanagement und Kochen etwas gemein haben, hat die liebe Nadja ja schon in der Küchenschlacht im ZDF bewiesen. An dieser Stelle möchte ich aber aus anderen Gründen zwei bemerkenswerte Kochbücher kurz vorstellen:

(1) Tim Ferris: The 4-Hour-Chef

Tim Ferris hat vor einigen Jahren mit seiner 4-Hour Work Week einen Bestseller geschrieben, in dem er aufgezeigt hat, wie man mit konsequenter Standardisierung ein Geschäftsmodell so trimmen kann, dass man es mir nur vier Stunden Arbeit pro Woche betreiben kann. Als Person steht Tim für derart radikale Konsequenz, auch in Themen, die mich überhaupt nicht interessieren (Stichwort: Körperkult). Mit dem 4-Stunden-(Küchen-)-Chef (mittlerweile auch in deutscher Übersetzung erschienen) setzt er diese Radikaliät jetzt erneut um und zwar diesmal beim Thema Kochen lernen. Statt über Kochen hätte er auch über jedes andere Thema schreiben können, denn die Kernbotschaft liegt eigentlich beim Thema Lernen und Tim zeigt systematisch (mit seiner gewohnten Konsequenz), wie man jedes Thema durch Konstruktion und Dekonstruktion sich gezielt erarbeiten kann. Wer glaubt, dass zum Thema Kochen schon alles gesagt oder geschrieben wurde, der sollte sich diesen sehr unkonventionellen Ansatz näher anschauen. Ich muss zugeben, dass ich den Teil über das Lernen zunächst verschlungen habe und den Kochteil eher gelegentlich zum Schmöckern verwende (alle die jetzt auf eine warme Mahlzeit gehofft haben, muss ich daher enttäuschen).

(2) So geht Kochen!

Ein Augenschmaus in puncto Visualisierung ist “So geht Kochen!

Mit Piktogrammen uns Illustrationen Kochen lernen und grafisch aufbereitete Kochrezepte. Das Buch entstammt einer ganzen Reihe: So geht das!,  So geht das! Survival, …

Ein anregendes Bilderbuch für Erwachsene und ein Lehrbuch in Sachen Visualisierung.

#644 Schöne neue Arbeitswelt

Viele kluge und liebe Köpfe in meinem Umfeld setzen sich mit unserer schönen neuen Arbeitswelt auseinander und wie es mit ihr weitergehen soll und kann. Das Ganze mit einer gehörigen Portion Idealismus. Die Ideale gibt es nicht nur im agilen Manifest, sondern schon weit länger, z.B. in der Lean-Bewegung mit klaren Wuzeln im Humanismus.

Zur Zeit macht der Film Augenhöhe die Runde und im Abspann habe ich viele vertraute Namen wieder entdeckt.

AUGENHÖHE OmU (dt.) from Daniel Trebien on Vimeo.

Auch auf dem enjoyWork-Camp diskutiert Franziska mit ihren Mitstreitern um solche Themen (nächster Termin: 06.-07.11.2015 in Stuttgart).

Und dennoch fühle ich mich etwas schizophren, denn gleichzeitig mit dieser idealistischen Entwicklung und Auseinandersetzung mit modernen Arbeitsformen sehe ich zunehmend auch gegenläufige Tendenzen. Da werden in Unternehmen mitunter wieder Königreiche aufgebaut, Entscheidungsspielräume minimiert oder abgeschafft und erstaunlicherweise wird das leichthin hingenommen. Offenbar sind die Menschen in Unternehmen mit so vielen Reizen, Themen und Aufgaben konfrontiert, dass der eine oder andere schon fast froh zu sein scheint, nicht mehr entscheiden zu müssen und keine Verantwortung zu tragen.

Anscheinend gibt es keine Zukunft der Arbeit, sondern gleich mehrere, teils gegenläufige. Wollen wir hoffen, dass wir uns die eigene Zukunft aussuchen und gestalten können.

#643 Visuals zur Informationssicherheit

Sonst ist auf diesem Blog ja der visualPM unterwegs, aber Visualisierung und Bildsprache kann auch für andere Themen einsetzen und nutzen.


Und so gibt es jetzt auch hier Icons/Symbole zur Informationssicherheit.

Ausgangspunkt ist ein Symbol für Information, das gezielt mit anderen Symbolen kombiniert und erweitert wird.

 

Informationssicherheit setzt sich zusammen aus Sicherheit (hier dargestellt durch einen Tresor als sicheren Ort in dem die Information aufbewahrt wird und der zu schützenden Information.

 

Weiter sind so Symbole für die Schutzziele der Informationssicherheit entstanden:

 

(1) Vertraulichkeit

Ein Auge, das auf die Information “geworfen” wird, symbolisiert Vertraulichkeit (Confidentiality). Eine Information soll nicht in “falsche” Hände geraten, was auch immer dies im Einzelfall heißen mag, sei es dass die Information in die Öffentlichkeit gerät, dass ein Kunde, ein Wettbewerber oder ein Lieferant ungewollt die Information erhält.

 

(2) Integrität

Integrität (Integrity) bezieht sich darauf, dass die Information nicht ungewollt/unbemerkt verfälscht oder geändert wird. Dies kann nicht nur durch einen Hacker oder Saboteur erfolgen, sondern auch durch einen Bearbeitungsfehler oder einen technischen Defekt.

 

(3) Verfügbarkeit

Verfügbarkeit (Availability) spiegelt die Anforderung auf den Zugriff/die Zugriffsmöglichkeit auf die Information (wortwörtlich: Die Hand, die zugreift). Ist eine Information zum erforderlichen Zeitpunkt verfügbar, bzw. wie schnell steht sie nach einem Verfügabrektisverlust wieder zur Verfügung, beispielsweise durch ein Disaster Recovery?

Entwickelt wurden diese Symbole übrigens mit der Symbol Safari aus Martin Hausmanns Buch UZMO. Eine Beschreibung gibt es auch auf openPM.

#642 Das Smartphone und der Datenschutz

Nein, Sie müssen die Datenschutz-Empfehlungen für das sichere Surfen mit dem Smartphone von meetyoo.de nicht lesen oder ernst nehmen. Sollten Sie das dennoch tun, dann brauchen Sie kein Smartphone.

Wenn Sie aber tatsächlich (1) GPS deaktivieren, (2) Standortdaten für Google-Dienste deaktivieren, (3) Daten-Backups deaktivieren, (4) WLAN  und (5) Bluetooth ausschalten, (6) regelmäßig Daten-Spuren im Browser löschen (Cache, Cookies, Verlauf und Passwörter), (7) Apps auf den Zugriff auf persönliche Daten prüfen und (8) das Samtphine für den Verlustfall absichern , usw. dann brauchen Sie alles, nur kein Smartphone.

Es wird Zeit uns einzugestehen, dass wir selbst mit Schuld am Kontrollverlust haben. Den vernünftigen Umgang mit den eigenen Daten oder den Daten anderer lernt am Smartphone nicht, wer es auch sonst nicht praktiziert.

Der Umgang mit Daten ist stets ein Abwägungsprozess und perfiderweise liegt er von Haus aus nicht in unserer Hand: Sie können selbst bestimmen, dass Facebook, LinkedIn, Google oder wer auch immer ihre Adressbücher nicht ausliest, aber Sie haben keinen Einfluss darauf, ob Ihre Kommunikationspartner das ebenfalls tun.

#641 Best of… Kinder & Bildsprache

Bildsprache funktioniert!

(1) Bilder und Kinder sprechen uns an. Kinder auf Bildern erst recht. Das konnte ich auf dem PM-Camp in Dornbirn (2012) feststellen, als ich statt mit ein paar Folien, nur mit einem Foto von Jonas samt Sprechblase, eine ganze Reihe von Kollegen dazu bringen konnte sich an openPM für Kinder zu beteiligen (und dabei Spaß zu haben).

(2) Aber Bildsprache wirkt nicht nur mit Kindern, sondern auch schon bei Kindern, so das Fazit dieses Wochenendes. Wenn Papa sich mit Visualisierung, mit Visual Facilitating und Graphic Recording beschäftigt, dann spricht das auch schon Kinder an. Diesmal nicht Jonas, sondern Hannah (6 Jahre). Das begann am Freitag als Papa in Petra Nitschkes Buch “Bildsprache” blätterte und den Zeichenblock vor sich liegen hatte. “Ich will auch zeichnen,” meinte Hannah und das Malen mit einem fetten Edding statt mit einfachen Buntstiften hatte wohl auch einen ganz eigenen Reiz:

Mittlerweile sind Hannahs erste Skribbels sogar mit Wasserfarben koloriert!

Aber das Wochenende war noch lange nicht vorbei, denn als Papa sich mit Flipchart-Vorlagen beschäftigte kam wieder Hannah, diesmal mit tatkräftiger Unterstützung von Jonas:

Und damit war noch lange nicht Schluss, denn in Papa´s  Büro hängt noch eine A0-Plakat der openPM-Canvas und die ließ sich Hannah dann von Papa erklären. Wir haben sie dann gleich für 2 Bauprojekte für den Kindergarten ausgefüllt: Für ein Klettergerüst und ein Piratenschiff!

Jetzt weiß Hannah auch, was Papa so macht…

Der ursprüngliche Beitrag erschien hier. Hannah geht mittlerweile auch schon in die zweite Klasse und Papa beschäftigt sich noch immer mit Visualisierung und 2014 war er wieder mit einem Visualisierungsthema auf dem PM Camp in Dornbirn: Symbol Safari (Sessiondoku auf openPM).

#640 Gelesen: Das Führungsteam

Olaf Hinz Buch ist ein Plädoyer Führung als Mannschaftsleistung zu praktizieren und will den Weg dahin aufzeigen.

Vielleicht ist dieser Anspruch etwas vermessen und ich bezweifle, dass im Kreis der Alpha-Tiere das Buch die entsprechende Resonanz bekommt, aber es bleibt immer noch ein kluges Buch über Teamentwicklung.

Den Weg zu wirksamen (Führungs-)Teams beschreibt er in sechs Schritten:

  • Führung und operatives Management bewusst unterscheiden und voneinander trennen
  • Nutzung der Gruppe (heterogene Teams bieten Vorteile)
  • Bewusste Auseinandersetzung mit Unterschieden und Widersprüchen
  • Macht und Einfluss ausbalancieren (hier wird auch explizit der Umgang mit Alpha-Tieren thematisiert)
  • Wirksame Informationspolitik statt Heldentum betreiben
  • Das Team pflegen, z.B. mit “Team-Rüstzeiten”

Team-Rüstzeiten ist ein schönes Konzept, das sich abhebt von Teamevents und Incentives, und einem Team kontextspezifisch Entwicklungsraum einräumt. Wie man eine Maschine einrichten, kalibrieren und für ihren Einsatz vorbereiten muss, so braucht auch ein Team Platz für die Teamfindung und die Vorbereitung der eigentlichen Aufgabe.

Diese sechs Schritte sind letztlich das Fazit des Buches und basieren auf einem soliden Fundament, dass sich mit Kontextführung, Komplexität, Unsicherheit, Rollen und Erwartungen und vielem mehr auseinandersetzt, ebenso wie mit typischen Aufgaben wie Planung (Flyvbjerg) und Budgetierung (Pfläging). Als Fundament dienen Konzepte wie u.a. Reflexion und das Double-Loop Learning (Argyris und Schön), Mindfulness (Weick und Sutcliffe) und Lernangst (Schein).

Als Werkzeuge werden kollegiale Beratung, Kommunikationswerkzeuge aber auch Fragebögen (teilweise im Buch enthalten, teilweise wird darauf referenziert –  wie auf den guten alten MBTI)  angeführt.

Das letzte Kapitel von Dani Rey beschreibt dann noch das Konzept für einen Jahresendworkshop der Geschäftsleitung und fügt sich nicht ganz in das Bild.

Ein Lapsus bei zwei großen Tabellen ist entweder Amazon oder dem Verlag geschuldet, aber im eBook auf dem Kindle sind die Übersicht der Diagnosewerkzeuge und die Tabelle der Kommunikationsformate nicht vollständig dargestellt (auf dem PC hingegen schon).

Aber all das tut der Tatsache keinen Abbruch, dass das Buch eine klare Leseempfehlung ist.

Olaf Hinz,  Das Führungsteam: Wie wirksame Kooperation an der Spitze gelingt, Wiesbaden 2014, ISBN-13: 978-3-658-03890-8